Mountainbike Geheimtipp:
Romsdalen in Norwegen
Bis vor zwei Jahren war das norwegische Romsdalen ein blinder Fleck für Mountainbiker. Jetzt ist die Region eines der Top-Reiseziele in der Szene. Mattias Fredriksson, einer der weltbesten Mountainbike-Fotografen, weiß, warum.
Text & Foto Mattias Fredriksson.
Oft sind es Menschen mit großen Visionen, die etwas in Gang setzen. In diesem Fall heißen sie Tommy und Renate Soleim. In ihrem früheren Leben wohnten sie in Drammen, in der Nähe von Oslo, hatten eine eigene Firma und lebten ein gewöhnliches »Neun-bis-Fünf-Leben« zwischen Stress, Stau und der Sehnsucht nach einem anderen Alltag. Sie träumten davon, einen alten Bauernhof zu kaufen und aufs Land zu ziehen. 2011 fingen sie an, sich in der Region Vestlandet nach einem passenden Objekt umzusehen. Das Gebiet um Romsdal hatte es ihnen besonders angetan. Tommy und Renate gaben eine Anzeige in der lokalen Tageszeitung auf: »Junges Paar aus Østlandet sucht einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb.« Aufgrund der großen Landflucht in Norwegen bekamen sie gleich mehrere Zuschriften. Ein herrliches altes Haus in den Bergen, das Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut worden ist, wurde ihr neues Zuhause. Anfang 2012 zogen sie ein.
HEFTIGE MOUNTAINBIKE BILDER IM NEWSFEED
Als der Schnee geschmolzen war, begann Tommy die Gegend mit dem Fahrrad zu erkunden. Er war früher Mountainbike-Rennen gefahren und wollte einige schöne Singletracks finden. Und das ist ihm ziemlich gut gelungen. Im Sommer 2012 sah ich plötzlich einige richtig heftige Mountainbike-Bilder in meinem Newsfeed auf Facebook. Einige meiner norwegischen Fahrradkumpel klickten unaufhaltsam den Like-Button, sobald neue Bilder von Tommy auftauchten. Im September kontaktierte ich ihn und Renate und erzählte ihnen von meinen Plänen, im nächsten Sommer nach Romsdal zu kommen, um dort zu fotografieren. Tommy überredete mich stattdessen, sofort meine Koffer zu packen und loszufahren. Dafür bin ich ihm immer noch dankbar. Mountainbike-Zeitschriften aus aller Welt haben mir nämlich die Bilder aus Romsdal förmlich aus der Hand gerissen. Und ich durfte aus nächster Nähe erleben, wie die Gegend zu einem echten Mountainbike-Mekka wurde.
VILLA VENGETIND – DAS BIKER-DOMIZIL
Kurz bevor ich vor Ort war, war schon ein großes norwegisches Bekleidungsunternehmen dort gewesen, das eine Reportage über Tommy und Renate in seinem internationalen Kundenmagazin veröffentlicht hatte. Romsdal machte daraufhin die Runde. Tommy und Renate begriffen langsam, auf was für eine Goldgrube sie gestoßen waren und kauften im Winter 2012 ein weiteres Haus in der Nähe ihres Hofs. Die charmante Villa Vengetind bietet nun Übernachtung, Verpflegung und verschiedene Aktivitäten, die von Tommy koordiniert werden: Im Sommer stehen Mountainbiking und im Winter Skitouren auf dem Programm. Renate kümmert sich um die Verpflegung der Gäste. Es ist nicht zu viel versprochen, dass ein Aufenthalt bei den beiden allen Ansprüchen gerecht wird.
Die ganze Reportage gibt es in der NORR-Sommernummer 2014.
Der Wald
Romsdal hat eine reiche Wanderkultur, und es gibt viele wunderbare Wege in der Gegend; sie sind überwiegend steil und ein wenig holperig, aber gut ausgetreten. Tommy hat das Wegenetz gründlich unter die Lupe genommen und die besten Pfade hier und da ein wenig ausgebessert, sodass es jetzt eine Handvoll richtig guter Tracks für Mountainbiker gibt. Man sollte aber einiges an Erfahrung mitbringen, wenn man die Touren in Romsdal genießen will. Die Gegend ist nicht unbedingt für Anfänger geeignet, aber man wird reichlich belohnt, wenn man zum Schluss endlich auf dem Gipfel steht.
Die Fjorde
Es gehört zu den Besonderheiten der norwegischen Landschaft, dass man auch in den Bergen ständig die Fjorde im Blick haben kann. Es gibt nicht viele andere Stellen auf der Welt, wo das möglich ist. Ich liebe den Kontrast zwischen Fjord und Fjell. Das ist auch einer der Gründe, warum ich immer wieder nach Norwegen zurückkehre. Das Vestlandet gehört dabei zu meinen absoluten Lieblingsorten.
Die Berge
Rund um Isfjorden und Åndalsnes liegen einige der spektakulärsten Berge des Landes. Man erreicht hier schnell unberührtes Gelände, die Zivilisation ist aber immer in Reichweite. Der Trollveggen ist mit seinen 1 100 Metern die höchste senkrechte Felswand in Europa und eine Berühmtheit innerhalb der internationalen Kletterszene. Die Gratwanderung am Romsdalseggen ist laut Lonely Planet eine der schönsten Wanderungen der Welt. Wer hier mit dem Fahrrad unterwegs ist, versteht schnell, warum. Die wilde Schönheit bezaubert jeden.






