Krankenpfleger
oder Redakteur?
Die NORR Frühlingsausgabe 2013 wurde unter besonderen Bedingungen produziert. Denn die Redaktion war mehr zu Hause beim kranken Nachwuchs als im Büro. Kolumnist und Krankenpfleger Philipp Olsmeyer über das schwedische (Kinder-)Gesundheitssystem:
Text: Philipp Olsmeyer
Und zum Schluss noch eine Extralektion für alle Freunde unseres kleines Wörterbuches. Es geht um „VAB“. Spricht man wie man’s schreibt, ist aber eine Abkürzung, und zwar für „vård av (sjukt) barn“, also „Pflege vom (kranken) Kind“. Stammt eigentlich aus der Terminologie der „Försäkringskassan“, dieser schwedischen Krankenversicherung für alle, und bezeichnet dort das Elterngeld, das man kriegt, wenn man nicht zur Arbeit geht, weil man sich daheim ums kotzende, pockende, fiebernde oder sonst wie krank feiernde Kind kümmert. Der Arbeitgeber zahlt da nämlich null, die Försäkringskassan dafür achtzig Prozent des Lohnes.
VAB ist Teil des Lebens und damit auch Teil der Sprache. Klar, dass es auch eine Verbform gibt: „Jag vabbar!“ sagt man, wenn man zum Beispiel den Kollegen davon informiert, dass die Redaktionssitzung ohne einen statt findet. Der hinter uns liegende Im Hintergrund höre ich die Bullerbükinder Mittsommer feiern – zum dritten mal diese Woche.Monat, in den auch die heiße Produktionsphase dieser NORR fiel, heißt im Elternvolksmund liebevoll „vabruari“ (statt „februari“). In der Neuwortliste des schwedischen Sprachrates tauchte im Jahr 2011 schließlich der Neologismus „vobba“ auf, eine Kombination aus „vabba“ und „jobba“ (arbeiten). Das macht man, wenn man zwar zuhause bleibt, aber das Kind mit Spuckimer vor den Fernseher setzt und zum Beispiel diese Kolumne schreibt.
Im Hintergrund höre ich die Bullerbükinder Mittsommer feiern – zum dritten mal diese Woche. Meinen Chefredakteur und Vobbaholic Gabriel habe ich im vabruari so gut wie gar nicht getroffen. Und NORRs Art Direktorin Lina hat mit feinem Gefühl für die Situation ein alternatives Cover entworfen, in der sie dem Magazin einen neuen Namen verpasst: „VABB – Das Skandinavienmagazin“.
PHILIPP OLSMEYER
Die Liebe brachte Philipp 2006 nach Stockholm. Hier ist er seit 2011 Redakteur bei NORR und kümmert sich außerdem um diese Webseite und um unsere Partner in Deutschland. Er hat zwei kleine Söhne und betreibt nebenbei das Gartenprojekt Trädgård på Sparet (Garten auf der Schiene) in Stockholm.







