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umstrittener Bau des Fehmarnbelts
26 August 2014
Zwischen Dänemark und Deutschland soll der 18 km lange Fehmarnbelt-Tunnel gebaut werden. Das Milliarden-Bauprojekt hat jedoch auf beiden Seiten seine Gegner.
Seit ein paar Jahren schon wird immer wieder von dem Vorhaben gesprochen, den größten Absenktunnel der Welt zwischen den Ostseeinseln Fehmarn und Lolland zu bauen. Nun geht die Planung in die entscheidende Endphase. Der Bau könnte somit bereits nächstes Jahr beginnen und in etwa 7 Jahren abgeschlossen sein.
Der Plan für den vierspurigen Tunnel unter der Wasseroberfläche
Foto: DPA
Mithilfe des Tunnels könnte man innerhalb von 10 Minuten mit dem Auto (7 Minuten mit dem Zug) von Puttgarden nach Rødbyhavn fahren. Eine solche Verbindung hätte im Hinblick auf Transport und Tourismus natürlich einige Vorteile. Doch der Plan scheint nicht ganz so aufzugehen, wie man es sich 2008 bei der Unterzeichnung des Staatsvertrags beider Länder gedacht hat. Die ersten Proteste kamen zunächst vor allem von deutscher Seite. Nun da der Bau jedoch endgültig beschlossen ist, regen sich auch vermehrt Kritiker in Dänemark.
Bei der Kalkulation für das Projekt hatte man bei der ersten Analyse 2008 weit geringere Kosten eingeplant, als es nun laut aktuellen Berechnungen heißt. Derzeit schätzt man die Kosten auf ca. 6 Milliarden. Da Dänemark für den Bau der Röhre verantwortlich ist, erwarte die dänischen Steuerzahler, laut dem dänischen Verkehrsexperte Knud Erik Andersen, nach der Errichtung des Tunnels eine beachtliche Rechnung. Neben dem Protest gegen die Gebühren, sorgen sich viele der Kritiker aber vor allem um die Umwelt, die das Projekt zu gefährden droht.
Innovativ aber umweltbelastend
Foto: DPA
Die Bedenken der Natur- und Umweltschützer beider Länder rühren aus der Tatsache, dass der Tunnel unterhalb des Meeresspiegels verläuft und seine Bauarbeiten einen enormen Aufwand bedeuten. Um die Röhre unter Wasser zu platzieren wird eine 12 Meter tiefe Rinne ausgebaggert, in die anschließend die Bauteile abgesenkt werden. Während der Baggerarbeiten können allerdings Sedimentfahnen entstehen, die die Wasserqualität enorm beeinträchtigen. Außerdem könnte ein Bau von solch großem Ausmaß beim Austritt von Öl oder anderen Schadstoffen eine entsetzliche Umweltkatastrophe auslösen. Das Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbelt-Querung sowie der BUND haben bereits Beschwerden gegen den Tunnelbau bei der EU-Kommission eingereicht.
Darüber hinaus ist die Idee, den weltweit größten Absenktunnel zu bauen, natürlich mit einem enormen Sicherheitsrisiko verbunden. Einer der aktivsten Kritiker des Fehnmarnbelts auf deutscher Seite ist der Ingenieur Hendrick Kerlen. Seiner Meinung nach weise die Tunnelplanung Mängel im technischen Bereich auf. Insbesondere im Bezug auf die Faktoren des Brandschutz und der Tunnelbelüftung fehlen ihm die erforderlichen Sicherheitsnachweise in den Planfeststellungsunterlagen.
Auf beiden Seiten, in Deutschland wie Dänemark, gibt es aber natürlich auch Befürworter des Projekts, die sich eine schnelle und praktische Verbindung zwischen den beiden Ländern wünschen. Sie sehen in der Verwirklichung des Tunnelbaus ein ähnliches Potential wie in der Öresunbrücke zwischen Malmö und Kopenhagen. Der Fehmarnbelt wäre allerdings mehr als vier Mal so lang wie diese. Ob der Tunnel die beiden Länder auch im übertragenen Sinne näher zusammenbringt, ist angesichts der dargelegten Komplikationen wohl nicht ganz eindeutig.
Startfoto: imago
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