Nordische Nächte:
Preisgekrönte Naturbilder
Mit den Eulen entdeckte Felix Heintzenberg seine Liebe für die Nacht. Den letzten skandinavischen Sommer verbrachte der Naturfotograf ganz zwischen Sonnenuntergang und Morgendämmerung. Das Ergebnis ist ein preisgekrönter Bildband.
Text: Philipp Olsmeyer, Foto: Felix Heintzenberg.
Der 21. Oktober 2013 hat für Felix Heintzenberg eine besondere Bedeutung: Als Datum, an dem er endlich sein Buch Nordiska Nätter (dt. Nordische Nächte) präsentieren konnte. Und als Tag, an dem er dafür vom schwedischen König persönlich die Urkunde des WWF für das »Panda-Buch des Jahres« 2014 in Empfang nehmen durfte, eine der renommiertesten Auszeichnungen für nordische Naturfotografie. Die Aufmerksamkeit an diesem Herbstmorgen war der Lohn für einen Sommer voller Nachtschichten.
Und wer Felix bei der Preisverleihung im Stockholmer Schloss Ulriksdal begegnete, konnte seine Freude und Erleichterung spüren – plus ein bisschen Stolz natürlich. Mit Strahlen in den Augen erzählte er von seinen nächtlichen Begegnungen mit Fledermäusen, Eulen, Füchsen und Bären, von den fantastischen Sinnen der Haselmaus und von der ausgefeilten Technik, die man braucht, wenn man Tiere in der Dunkelheit so präzise mit der Kamera einfangen will, wie er.
FASZINATION DER DUNKELHEIT
Die seit 1972 vergebene Auszeichnung des schwedischen WWF ist aus doppeltem Grund so begehrt. Erstens erfolgt die Nominierung bereits, wenn sich das Werk noch in der Konzeptphase befindet, und die Naturschutzorganisation bestellt schon im Voraus mindestens 10 000 Exemplare des Buches für Fördermitglieder, Partner und Mitarbeiter. Das schafft wirtschaftliche Sicherheit für Verfasser und Verleger – Felix ist übrigens beides in einem. Zweitens garantiert die Vorstellung als WWF-Pandabuch landesweite Aufmerksamkeit und hat natürlich einen ganz besonderen Wert für den eigenen Ruf. »Danach kannst du als Naturfotograf nicht mehr ignoriert werden«, so der Preisträger. Entsprechend groß ist die Konkurrenz bei den Bewerbungen.
»Der Fokus auf die Nacht hatte auch damit zu tun, dass ich mich von anderen Fotografen unterscheiden wollte«, erklärt Felix. »Die meisten meiner Kollegen versuchen ihre Motive bei Tageslicht einzufangen. Wenn die Sonne verschwindet, ist ihre Arbeit getan«. Seine Idee, sich voll und ganz auf die nachtaktive Tierwelt Skandinaviens zu konzentrieren war ebenso einfach wie radikal und vielleicht gerade deshalb für die Jury so greifbar. Allerdings steckte dahinter weit mehr als nur Strategie. »Ich liebe es, Neues zu entdecken. Als Fotograf bin ich schon viel in der Welt unterwegs gewesen. In diesem Fall war eben die Nacht die neue Erfahrung und fotografische Herausforderung«.
GUTE VORARBEIT
Es ist sein Entdeckergeist, der den 42-jährigen Felix Heintzenberg motiviert. Und sein Wissen über die Natur und die Freude daran, es in schön erzählte Geschichten zu verpacken. Der gebürtige Lübecker, der seit 1995 in der südschwedischen Universitätsstadt Lund lebt, ist ausgebildeter Biologe und unterrichtet an einem naturwissenschaftlichen Gymnasium. »Es hilft mir auch als Lehrer, dass ich von dem Erzählen kann was ich selbst da draußen erlebt habe. In meinen 25 Jahren als Fotograf sind da so einige Geschichten zusammen gekommen«. Gerade bei den Jugendlichen stelle er fest, wie wichtig diese Verwurzelung in der wirklichen Welt ist: »Alles was echt ist, hat seinen Reiz«.
Auch die Streifzüge zwischen Sonnenuntergang und Morgendämmerung, auf die uns Felix in seinen »Nordischen Nächten« mitnimmt, fühlen sich an wie ein lebendiger Evolutionskurs in freier Wildbahn. Wir erfahren viel über die Anpassung der Tiere an Landschaft und nächtliche Bedingungen.
Inwieweit hat sein Hintergrund als Biologe und Pädagoge Einfluss auf Felix’ Art des Fotografierens? Sucht er in seinen Motiven nach Bestätigung für sein Wissen – oder umgekehrt? »Sowohl als auch«, sagt er nach einen kleinen Denkpause. Grundsätzlich sei es natürlich wichtig, neugierig und mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen. »Ich liebe Überraschungen«, sagt Felix und berichtet von seiner Freude an einem Häufchen Fischotterkacke, die er an einer Stelle fand, an der er sie als Biologielehrer nie erwartet hätte.
Auf der anderen Seite gleicht auch seine fotografische Arbeit oft der eines Wissenschaftlers. Einen Großteil seiner Zeit verwendet er für die Beobachtung und Vorbereitung. Das beste Beispiel sind seine Fledermausaufnahmen, bei denen er zunächst die Flugbahnen in Erfahrung bringt, dann seine technischen Apparaturen und Bewegungsmelder aufbaut, um schließlich auf ein gutes Ergebnis zu hoffen. »Die eigentliche Fotografie ist dabei im Grunde der letzte Schritt«.







