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© Björn Knechtel
NORR Filmtipp:
Mittsommer
nachtstango
14 March 2014
Niemand zweifelt an den argentinischen Wurzeln des Tangos und in gleicher Weise denkt wohl niemand, dass der Tanz aus dem hohen Norden Finnlands stammen könnte. Der Dokumentarfilm “Mittsommernachtstango” der deutschen Regisseurin Viviane Blumenschein begibt sich auf die Suche nach den Ursprüngen des Tangos. Seit gestern läuft er im Kino.
Zu Beginn des Films erklärt der finnische Musikfilmemacher Aki Kaurismäki den wahren Ursprung des Tangos. Dieser liegt natürlich in Finnland. In eben dem nordischen Land am Polarkreis mit den wortkargen Menschen, die sich zwischen Wäldern und Seen zu verlieren scheinen. Finnische Hirten wollten damit Mitte des 19. Jahrhunderts Wölfe vertreiben. Danach brachten Seeleute die finnischen Rhythmen über Uruguay nach Argentinien, wo sich der Tango schnell etablierte und Weltruhm erlangte. Die eigentliche Herkunft aus Finnland gelang da schnell in Vergessenheit. Finnische Bescheidenheit machte die Lage nicht besser.
Wo könnten die klagenden Lieder des Tangos auch besser entstehen, als in der dunklen Einsamkeit Finnlands? Zudem musste das wortkarge Völkchen diesen Tanz zwangsweise erfinden, um sich dem anderen Geschlecht annähern zu können. Doch was ist nun mit Argentinien und Buenos Aires, der eigentlich bekannten Geburtsstätte des Tangos? Das dachte sich wahrscheinlich auch Dokumentarfilmerin Blumenschein und machte sich auf die Suche nach den Ursprüngen des Tangos. Zusammen mit den drei argentinischen Musikern Diego Kvitko, Pablo Greco und Walter Laborde beginnt die Recherche in Buenos Aires. Schließlich reisen sie in den hohen Norden Finnlands, um dem Tango auf die Spur zu kommen.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten – die Truppe strandet mitten in der finnischen Einöde, in der es nichts als Wald und eine Sauna gibt – akklimatisieren sie sich langsam und knüpfen erste Kontakte zur finnischen Tangoszene. Niemand hätte wohl mit der großen Gastfreundschaft der Finnen gerechnet. Schnell gerät das eigentliche Vorhaben in den Hintergrund. Beim gemeinsamen Musizieren spielt es bald keine Rolle mehr, ob der Tango nun aus Finnland oder doch aus Argentinien stammt.
Blumenscheins Dokumentarfilm zeigt, wie es die Musik wieder einmal schafft, Menschen zu verbinden, anstatt sie zu trennen. Zudem werden in den dokumentarischen und historischen Abschnitten des Films mit eingespielten Musikperformances die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zweier großer Tangokulturen aufgezeigt.







