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Nattavaara Open
18 April 2013
Wenn der Dorfladen in Nattavaara als Teil der notwedigen Infrastruktur schlieβt, ist Handeln angesagt. Dirk Hagenbuch packt an. Mit Erfolg.
Am 10. April haben wir euch an dieser Stelle gefragt, wer Lust hat, in einem Dorfladen in Nattavaara am Polarkreis mit anzupacken. Am besten im Doppelpack in einem Laden, der geschlossen wurde und es plötzlich 50 km bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit waren. Ein wichtiger Treffpunkt fiel weg, das strategische Epizentrum verschwunden. Fatal für die Menschen der Region.

Was es heiβt, in der Nähe des Polarkreises zu arbeiten, weiβ Dirk Hagenbuch. Das heutige Wildnisdorf Solberget in den Wäldern auβerhalb Nattavaara, stand mehr als ein Jahr leer, bevor er den Hof kaufte. Nun kommen (deutsche) Touristen, um das einfache, ursprüngliche Leben kennen zu lernen. Für die Bewohner nördlicher Regionen wie diese, bedeutet es, für ihr Leben dort kämpfen zu müssen. Nicht leicht, wenn die Einwohner dünn besiedelter Regionen vornehmlich als Kostenfaktor betrachtet werden, weniger als Bereicherung.
Was folgt, ist eine Rettungsaktion auf eigene Faust: Anfang des Jahres haben 58 Personen aus der Region Nattavarra eine Genossenschaft gebildet, um den Betrieb eines neues Lebensmittellladens im Dorf zu ermöglichen. Es wurde eine Satzung verabschiedet, Dirk Hagenbuch als Vorsitzender gewählt, 400 000 SEK Eigenkapital aufgetrieben und beschlossen, 200 Anteile à 2 000 SEK an Privatpersonen zu verkaufen, um damit Anteile am Hofladen am Polarkreis erstehen konnten. Hier kommen frühere Gäste des Wildnisdorfs Solberget ins Spiel, denn Dirk Hagenbuch schickte eine Mail an Gäste, die auf seinem Hof waren und von denen die meisten in Deutschland leben. In nur wenigen Wochen hatten einstige Gäste Aktien für 140 000 SEK gezeichnet und mehr als ein Drittel des Stammkapitals aufgetrieben.
Die Rettungsaktion hat Erfolg: Der Verein arbeitet daran, Personal einstellen zu können und neue Konditionen mit Händlern zu vereinbaren. Das Startkapital ist weitgehend gesammelt, die Gemeinde Gällivare bezuschusst das Projekt ebenfalls und viele Freiwilligen im Dorf engagieren sich bei anstehenden Arbeiten.
Bilanz: Der Dorfladen wird im Juni wieder eröffnet! Ein wichtiger Sieg für Nattavaara, der zeigt, welche entscheidende Rolle der Tourismus spielt, um Infrastruktur in ländlichen Regionen sichern zu können.
Das Wildnisdorf Solberget ist mit einem Ökosiegel zertifiziert und bietet naturnahe Aufenthalte in rustikaler Umgebung. Rentier- und Skiwanderungen durch den Wald und andere Aktivitäten können gebucht werden. Touristen, die hier herkommen, reisen fast alle mit dem Zug an, beziehen so viel wie möglich der benötigten Lebensmittel von lokalen Lieferanten aus der Region.

Ziel ist es, einen Tourismus zu etablieren und Brücken zu bauen zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Welchen positiven Auswirkungen diese Art von Tourismus haben kann, zeigt sich ja in diesem konkreten Fall: Die Rettung eines kleinen Geschäfts irgendwo weit weg nahe des Polarkreises.
Mehr über Solberget und unseren Besuch bei den Siedlern könnt ihr im NORR Magazin 04/2012 (ab Seite 56) lesen. Da heiβt es:






