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Nachrichten

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Artipelag
Kunst & Natur

10 July 2013


Mit internationaler Kunst, Ausstellungen und Kulturprogramm wird das Archipel zum Artipelag – in der Gemeinde Värmdö im Stockholmer Schärengarten.

Die Koordinaten für die Kunstoase zwischen Inselwelt, Stadtnähe und Naturverbundenheit sind N 59° 18´ 04″, O 18° 20´ 07″. Der beste Weg zum Einstimmen ist dabei – ganz klar: der Wasserweg. Mit dem Boot geht es etwa eineinhalb Stunden vom Nybrokajen in der Stockholmer Innenstadt raus in den Schärengarten. Freizeitboote machen hier im großzügigen Gästehafen des Museums fest.

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Artipelag, Eingang Wasserseite  – Charlie Bennet

 

Wer von der Wasserseite ankommt, wird keinen monumentalen Museumsklops sichten, das Kunsthallengebäude integriert sich vorbildlich in die Natur der Schärenlandschaft. Ein breiter (kinderwagen- und rollstuhlgerechter) Holzsteg führt durch den Pinienwald hinauf zur Kunsthalle Värmdö.

Aktuelle Design-Ausstellung im Artipelag:
ETT TVÅ TRÄ! – Ny svensk trädesign
14. Juni – 21. August 2013

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Ausstellungsplakat »ETT TVÅ TRÄ!« – Artipelag

 

Sind wir im Wald, tut es uns gut. Das facettenreiche Leben des Waldes ist essentiell wichtig, keine Frage. Und so wie das Holz, hat auch Design Wurzeln. »ETT TVÅ TRÄ!« widmet sich der neuen schwedischen Holzform, die nun aus diesen Wurzeln wächst – historisch und philosophisch, ökologisch und ästhetisch. Skandinavische Designtradition zeigt sich mit einem starken Wurzelsystem und aktiver, lebendiger Krone. Kurator der Ausstellung ist Staffan Bengtsson, ehemaliger Herausgeber der Zeitschrift »FORM« und jetziger Chefredakteur des Gestaltungsmagazins »BRUNO«. Bengtssons Literaturempfehlung und eigenes und signiertes Exemplar des Buches »Skogsliv vid Walden« von Henry David Thoreau liegt im von Daniel Franzén konzipierten Holzhaus, das hier erstmalig gezeigt wird.

Die Ausstellung ist eine Tour durch den neuen schwedischen Designwald. Der hat in der 1200 qm großen Artbox – einer flexibel einsetzbaren Kunsthalle für Ausstellungen, Konzerte oder Kulturprogramm jeglicher Art – bei 12 Meter Deckenhöhe – auch ausreichend Platz. Holz als Teil des neuen Bewusstseins einer nachhaltig engagierten Gesellschaft. Architekten und Designer bedienen sich der Natur und verwenden Holz als Arbeitsmaterial.

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Daniel Svahn »Picnic« – Jean-Baptiste Beranger

 

Stabil! Ja, das ist das Werk »Picnic« von Daniel Svahn. Satte 350 Kilo Holz, befestigt mit zwei Spanngurten. Holz aus den schwedischen Wäldern und ein zu der Zeit günstiges Material, nachdem Orkan »Gudrun« im Januar 2005 in einer Nacht etwa 160 000 Hektar Wald dahinraffte – eine Fläche von ca. 300 000 Fußballfeldern. Das Landwirtschafts- ministerium schätzte die sturmgefällte Holzmenge auf 75 Millionen Kubikmeter, vergleichbar mit einer normalen Jahresholzernte von ganz Schweden oder drei bis vier Jahresernten der betroffenen Region.

Etwa die Hälfte aller Gestalter dieser Ausstellung sind Frauen – in einer aus Holz gezimmerten Männerdomäne. Etablierte Namen wie »Folkform« oder »Jens Fager« zeigen ihre Arbeiten, aber auch Frischlinge der Hochschulen (Kunsthochschule Konstfack und Carl Malmstensskolan, Stockholm). Erstmalig wird auch John Kandells Arbeit in einer eigenen Retrospektive gezeigt. Der schwedische Architekt, Maler und Designer schuf einige Möbelklassiker wie z.B. den dreibeinigen Hocker »Camilla« oder das schlichte Regal »Pilaster« von 1989. Eine Frage dazu: Habt ihr das Original oder das Plagiat Zuhause?

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Kandell – Artipelag

 

Ausgezeichnet mit dem Artipelag Designpreis wurde Gustav Persons Arbeit »Provinzsnickerens poesi« (Provinzschreiners Poesie). Ein Neuling, geboren und aufgewachsen auf dem Land, außerhalb von Halmstadt – wie er sagt in einer alten Provinzstadt weit weg von Stockholm – schreibt über sein Schreinerdasein. Interessant, welchen Techniken sich der diesjährige Kunsthochschulabsolvent bedient, Holzelemente zu verbinden. Ohne Schraube. Ohne Nagel. Sieht nicht nur gut aus, ist flexibel, stabil und einfach zu montieren. Schaut es euch selbst an – wie Erstgratulantin Silvia von Schweden.

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Gustav Person, Artipelag Designpreis,
Silvia, Königin von Schweden – Jan Öqvist

 

Es gibt Innovatives zum Thema Holz zu sehen, u.a. Filmmaterial das die deutsche Lies-Marie Hoffmann mit der Motorsäge beim Bearbeiten von Ulmenholz zeigt (»Hommage to the elm trees«), ihre massiven Sitzmöbel könnt ihr gleich vor Ort ausprobieren. Eigene Kreationen lassen sich auch mit Cecilia Cronelids »Building Pieces« errichten. Sie stellt in der Ausstellung einen umfangreichen Holzbausatz zur Verfügung, so dass nach Lust und Laune eigene Bauwerke aus Holz verwirklicht werden können.

Mitwirkende: Åke Axelsson, Saina Barazande, Pia Bexell, Jonas Bohlin, Cecilia Cronelid, Lukas Dahlén, Matilda Dahlquist, Jens Fager, Lies-Marie Hoffman, Folkform, Form Us With Love, Daniel Franzén, Front, Julia Gamborg Nielsen, Anki Gneib, HAGS, Theresa Harmanen, Lisa Hilland, Staffan Holm, John Kandell, Karlsson & Björk, Anna Kraitz, Johan Lindsten, Charlie Styrbjörn Nilsson, o4i, Emma Olbers, Gustav Person, Thomas Sandell, Snickeriet/Karin Wallenbeck & Karl-Johan Hjerling, Lars Stensö, Daniel Svahn, TAF/Mattias Stålhbom, Mats Theselius, UglyCute

Unabhängig von den Ausstellungen (aktuell zu sehen gibt es auch: »William Wegman – Hello Nature. How to draw, paint, cook and find your way«), empfiehlt es sich, ausreichend Zeit einzuplanen, das dreistöckige – von Johan Nyrén gestaltete – Gebäude und die Schärenlandschaft der Umgebung genauer zu erkunden. Hilfreich, wissenswert und praktisch für Familien mit Kleinkindern: Im Museumscafé gibt es kostenlos Babybjörntragen zu leihen – Björn Jakobson, Vorstandsvorsitzender und Gründer der BabyBjörn AB und seine Frau Lillemor sind Initiatoren und Finanziers des Artipelags. In der Museumsbutik gibt es – neben u.a. Ausstellungskatalogen, Büchern, Asseccoires und z.B. hauseigenem Brot – auch viele BabyBjörn-Produkte für Kleinkinder zu kaufen.

Nicht vergessen: Alle Etagen des Artipelags zu erkunden. Dabei wird euch einiges auffallen. Zum Beispiel, dass Beton auch luftig wirken kann (Ja, das geht!) Dass ein Waschbecken nicht nur ein Waschbecken ist, sondern auch ein sehr dekoratives (Natur-) Element sein kann. Und dass es schön ist, auf einem Gebäudedach zu stehen, das sich anfühlt wie ein bewachsener Hügel in einer Schären- landschaft – noch dazu mit einem Steinlabyrinth – nicht nur für Kinder. Wisst ihr, wie das Sternenbild des Großen oder Kleinen Bären aussieht? Nein? Dann auf ins Archipelag!

Mehr Informationen zum: Artipelag

Titelfoto: Charlie Bennet